Compliance & Recht

Predatory Conferences

Predatory Conferences sind unseriöse Pseudokongresse, die wissenschaftlichen Anstrich vortäuschen, in Wahrheit aber primär auf Anmeldegebühren abzielen – mit niedriger oder fehlender wissenschaftlicher Qualitätskontrolle, fiktiven Programmkomitees und massenhaftem Spam-Mailing an Forschende.

Was sind Predatory Conferences?

Mit dem Aufstieg von Open-Access-Publikationen und der digitalen Vermarktung hat sich seit etwa 2010 ein dunkles Pendant zu den seriösen Wissenschafts­kongressen etabliert: Predatory Conferences – auch Fake Conferences oder Pseudo-Kongresse genannt. Sie kopieren oberflächlich das Erscheinungsbild echter wissenschaftlicher Tagungen, sind aber im Kern Geschäftsmodelle zur Abschöpfung von Anmeldegebühren.

Charakteristisch ist die fehlende oder rein nominelle wissenschaftliche Qualitätskontrolle: Beiträge werden ohne echtes Peer-Reviewing angenommen, Programmkomitees bestehen aus erfundenen oder ungefragt eingetragenen Namen, und das Programm besteht häufig aus zusammen­gewürfelten Beiträgen ohne thematischen Zusammenhang.

Typische Warnzeichen

  • Aggressives Spam-Mailing an Forschende, die zum Thema keine Verbindung haben
  • Schmeichelhafte Einladungen mit personalisierten Lobeshymnen
  • Auffällig kurze Review-Zeit – wenige Tage zwischen Einreichung und Annahme
  • Niedrige oder fehlende Auswahlquote – fast alle Beiträge werden angenommen
  • Hohe Anmeldegebühren ohne entsprechende Veranstaltungsqualität
  • Erfundene oder unautorisierte Programmkomitee-Mitglieder
  • Vage oder generische Themenstellungen („International Conference on Science")
  • Wechselnde Veranstaltungsorte und -titel zwischen Jahren
  • Fehlende Verbindungen zu seriösen Fachgesellschaften
  • Unscharfe oder fehlende Sponsoring-Transparenz
  • Schlampige Website-Qualität, oft mit Sprach- und Tippfehlern
  • Versprechen unrealistischer Punkte für Karriere oder Berufsverbände

Schäden für die Wissenschaft

  • Reputationsschäden für unwissentlich beteiligte Forschende
  • Karriere-Probleme bei wissenschaftlichen Bewerbungen, wenn Vorträge nicht anerkannt werden
  • Finanzielle Verluste durch Anmelde- und Reisekosten ohne Gegenwert
  • Verwässerung des wissenschaftlichen Diskurses durch ungeprüfte Beiträge
  • Vertrauensverlust in das Format „wissenschaftlicher Kongress" insgesamt
  • Datenmissbrauch: Erhobene Teilnehmerdaten landen häufig auf Spam-Listen

Wie sich seriöse Veranstalter abgrenzen

  • Transparenter Review-Prozess mit dokumentierten Kriterien und realistischen Annahmequoten
  • Verifizierbare Programmkomitee-Mitglieder mit Affiliationen und Profilen
  • Anbindung an etablierte Fachgesellschaften sichtbar machen
  • Wiederkehrende Veranstaltungs­serie mit nachvollziehbarer Historie
  • Offene Kommunikation zu Anmeldegebühren, Sponsoring und Stipendien
  • DSGVO-konformer Umgang mit Teilnehmerdaten – kein Verkauf an Dritte
  • Klar dokumentierter Lebenslauf der Veranstaltung – Ort, Zeit, Programmkomitee, Speaker
  • Qualitätssiegel und Verbandsmitgliedschaften sichtbar präsentieren
  • Seriöse Kongressplattform für alle Konferenzprozesse – genau daran mangelt es den betrügerischen Konferenzen

Hilfe für Forschende

Wer sich unsicher ist, ob eine Conference seriös ist, kann mehrere Quellen prüfen:

  • Think. Check. Attend. (thinkcheckattend.org) – Initiative für die Prüfung von Veranstaltungen
  • Beall's List und Nachfolger – auch wenn umstritten, geben sie erste Hinweise
  • Cabells Predatory Reports – kostenpflichtiges, regelmäßig aktualisiertes Verzeichnis
  • Eigene Fachgesellschaft – die regulären Kongresse sind meist gut bekannt
  • Kolleg:innen fragen – die Community kennt seriöse Formate
  • Bibliotheken und Forschungs­förderer – beraten zunehmend auch zu Veranstaltungen

Folgen für die Branche

Seriöse Veranstalter müssen die Existenz unseriöser Anbieter aktiv adressieren – mit sichtbarer Qualität, transparenter Kommunikation und klarer Abgrenzung. Eine Konferenz-Management-Software, die Strukturen und Prozesse dokumentiert, ist nicht nur Organisations­werkzeug, sondern auch ein Vertrauenssignal nach außen.

Verwandte Begriffe

Seriösität sichtbar machen

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