Was ist ein Double-Blind-Review?
Beim Double-Blind-Review wissen weder die Einreichenden, wer ihre Arbeit begutachtet, noch die Gutachter, wessen Arbeit sie bewerten. Es ist die strengste verbreitete Form des Peer-Reviewings und gilt in vielen wissenschaftlichen Communities als Goldstandard – besonders dort, wo Reputationseffekte und Bias als kritisch gelten.
Warum Double-Blind?
- Reduktion von Bias: Studien zeigen, dass identische Beiträge unterschiedlich bewertet werden, je nachdem ob der Name eines bekannten oder unbekannten Forschers darunter steht
- Geschlechter-Fairness: Anonyme Beurteilung verringert nachweislich systematische Benachteiligung von Frauen
- Institutionelle Neutralität: Beiträge aus weniger renommierten Einrichtungen erhalten faire Chancen
- Karrierestufen-Gleichheit: Junge Forschende werden nicht aufgrund fehlender Reputation abgewertet
- Geografische Fairness: Internationale Einreichungen aus weniger sichtbaren Forschungsregionen werden gleichberechtigt bewertet
Praktische Umsetzung
Die größte Hürde im Double-Blind-Verfahren ist die konsequente Anonymisierung. Das System muss auf zwei Ebenen ansetzen:
- Auf Einreichungsebene: Identifizierende Felder (Autorenname, Affiliation, Förderhinweise) werden separat erfasst und Gutachtern nicht angezeigt
- Im Beitragstext selbst: Einreichende müssen Selbstreferenzen vermeiden („In unserer früheren Arbeit … " → „In Mustermann (2023) … "), eindeutige Datensätze, methodische Eigenheiten oder Förderkennzeichen sind potenziell identifizierend
Veranstalter können mit Converia Anonymisierungs-Checklisten bereitstellen, um möglichst effektive Anonymisierungs-Anleitungen zu schaffen.
Grenzen des Verfahrens
- Keine vollständige Anonymität: Bei kleinen Forschungsfeldern lassen sich Autoren oft am Stil oder Thema erraten
- Höherer Aufwand: Sowohl bei Einreichenden als auch bei der Plattform
- Keine Reduktion methodischer Bias: Wer eine bestimmte methodische Schule bevorzugt, urteilt entsprechend – unabhängig von Anonymität
- Schwächere Konfliktprüfung: Gutachter erkennen Interessenkonflikte (Co-Autorschaft) nur über Themenähnlichkeit, nicht über Namen
Ablauf in der Plattform
- Einreichung erfolgt mit getrennt erfassten Personenfeldern und Beitragstext
- Veranstalterhinweise an Einreichende, worauf zu achten ist
- Auslieferung an Gutachter ohne identifizierende Felder
- Bewertung durch Gutachter ohne Kenntnis der Einreichenden
- Aggregation der Reviews durch das Programmkomitee
- Entscheidung – Identitäten werden erst danach den Gutachtern offengelegt (oder gar nicht)
Best Practices
- Klare Anonymisierungs-Anleitung im Call for Papers kommunizieren
- Templates für Einreichende bereitstellen (z. B. „[ANONYMISIERT]" als Platzhalter)
- Mehrere Gutachter pro Beitrag, um individuelle Bias zu mitteln
- Konfliktprüfung über Themenüberschneidung, nicht nur Namen
- Bewertungsergebnisse den Einreichenden mit Gutachterkommentaren zurückspiegeln (anonym)
Converia kann das
Double-Blind-Review in Converia
Converia unterstützt vollwertige Double-Blind-Workflows: automatische Entfernung identifizierender Felder bei der Auslieferung an Gutachter, Hinweise an Einreichende zur Selbst-Anonymisierung und Konfliktprüfung im Hintergrund
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