Ein wissenschaftliches Poster fasst ein Forschungsprojekt auf einer Fläche zusammen – meist im Format DIN A0 – und wird auf Konferenzen in einer Postersession präsentiert. Ein gutes Poster funktioniert in drei Stufen: Aus drei Metern Entfernung weckt es Interesse, aus einem Meter erklärt es die Kernaussage, und im Gespräch liefert es die Details.
In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie ein wissenschaftliches Poster Schritt für Schritt erstellen: mit Aufbau, Maßen, Schriftgrößen, Gestaltungsregeln und typischen Fehlern. Dazu gibt es eine kostenlose PowerPoint-Vorlage im Format A0.
Was ist ein wissenschaftliches Poster?
Ein wissenschaftliches Poster ist eine großformatige, visuelle Zusammenfassung einer Forschungsarbeit. Es wird auf Kongressen, Tagungen und Fachkonferenzen in einer Poster-Session ausgestellt: Die Autor:innen stehen neben ihrem Poster, Besucher:innen schlendern vorbei, bleiben bei interessanten Themen stehen und kommen ins Gespräch.
Damit unterscheidet sich das Poster grundlegend von einem Paper. Ein Paper wird gelesen, ein Poster wird im Vorbeigehen überflogen. Die meisten Besucher:innen entscheiden in wenigen Sekunden, ob sie stehen bleiben. Ein Poster ist deshalb eher eine Einladung zum Gespräch als ein Text zum Durchlesen.
Wer ein Poster präsentieren möchte, reicht in der Regel vorab ein Abstract über den Call for Papers der Konferenz ein. Nach der Annahme folgen die Vorgaben zu Format und Ablauf.
Aufbau: Diese Elemente gehören auf ein wissenschaftliches Poster
Der Aufbau folgt meist dem klassischen Schema einer wissenschaftlichen Arbeit, aber stark verdichtet. Die Ergebnisse bekommen den meisten Platz.
- Titel: Formulieren Sie die zentrale Aussage, nicht nur das Thema. „Achtsamkeitstraining senkt Prüfungsangst bei Studierenden“ wirkt stärker als „Eine Studie zu Achtsamkeit und Prüfungsangst“.
- Autor:innen und Affiliationen: Namen, Institutionen, Logos. Halten Sie diese Zeile schlank.
- Hintergrund und Fragestellung: Drei bis vier Sätze zum Kontext, dann die Forschungsfrage oder Hypothese – hervorgehoben.
- Methode: Stichprobe, Design, Instrumente und Analyse in Stichpunkten. Ein Ablaufdiagramm ersetzt hier oft einen ganzen Absatz.
- Ergebnisse: Das Herzstück. Eine bis zwei aussagekräftige Abbildungen mit selbsterklärenden Bildunterschriften, ergänzt um wenige Kernzahlen.
- Diskussion und Fazit: Was bedeuten die Ergebnisse? Ordnen Sie sie kurz ein und nennen Sie die wichtigste Einschränkung.
- Kernaussage: Ein Satz, groß und hervorgehoben – die eine Botschaft, die Besucher:innen mitnehmen sollen.
- Literatur und Kontakt: Eine Auswahl von drei bis fünf Quellen in kleinerer Schrift, dazu E-Mail-Adresse und gegebenenfalls ein QR-Code zum Paper, zu den Daten oder zur PDF-Version des Posters.
Die Reihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt. Manche Poster stellen die Ergebnisse bewusst in die Mitte und die Methode an den Rand. Entscheidend ist eine klare Leserichtung: in Spalten von oben nach unten und von links nach rechts.
Format und Maße: Wie groß ist ein wissenschaftliches Poster?
Der Standard auf Konferenzen im deutschsprachigen Raum ist DIN A0 im Hochformat. Viele Veranstalter geben das Format im Call for Papers oder in den Hinweisen für Vortragende vor – nicht jede Posterwand passt für jedes Format.
Legen Sie das Dokument direkt in der Endgröße an. Wer in A4 gestaltet und hochskaliert, bekommt unscharfe Abbildungen und falsche Schriftgrößen.
Gestaltung: Schriftgrößen, Farben und Abbildungen
Schriftgrößen für ein A0-Poster
Die wichtigste Regel: Der Fließtext muss aus etwa einem bis zwei Metern Entfernung lesbar sein, der Titel aus mehreren Metern. Diese Richtwerte haben sich bewährt:
Ein einfacher Test: Drucken Sie das Poster auf A4 aus. Was Sie dort ohne Mühe lesen können, ist auf A0 aus etwa einem Meter Entfernung lesbar. Was auf A4 zu klein ist, ist auch auf A0 zu klein.
Schriftarten
Verwenden Sie eine gut lesbare serifenlose Schrift wie Arial, Calibri, Helvetica oder Source Sans für den Fließtext. Für den Titel ist eine Serifenschrift möglich, aber kein Muss. Bleiben Sie bei höchstens zwei Schriftarten und setzen Sie Fett und Kursiv sparsam und einheitlich ein.
Farben und Kontrast
- Ein heller, ruhiger Hintergrund – meist Weiß – mit dunkler Schrift ist am besten lesbar.
- Höchstens drei bis vier Farben: eine Hauptfarbe, ein bis zwei Begleitfarben und eine Akzentfarbe für die Kernaussage.
- Achten Sie auf starken Kontrast. Hellgraue Schrift auf weißem Grund ist im Messelicht kaum lesbar.
- Rund acht Prozent der Männer haben eine Rot-Grün-Sehschwäche. Unterscheiden Sie Datenreihen deshalb nicht nur über Rot und Grün, sondern zusätzlich über Helligkeit, Muster oder Beschriftung.
- Nutzen Sie die Farben Ihrer Institution, wenn es ein Corporate Design gibt.
Abbildungen und Diagramme
- Etwa ein Drittel der Fläche sollte aus Grafiken bestehen: Diagramme, Fotos, Ablaufdiagramme, Tabellen.
- Verwenden Sie Bilder mit mindestens 300 dpi in Endgröße, Diagramme am besten als Vektorgrafik (SVG, EPS oder direkt aus dem Statistikprogramm als PDF).
- Achsenbeschriftungen und Legenden brauchen dieselbe Mindestgröße wie der Fließtext.
- Jede Abbildung bekommt eine Bildunterschrift, die die Aussage nennt – nicht nur den Inhalt.
- Lieber eine große, klare Abbildung als vier kleine.
Weißraum und Raster
Teilen Sie das Poster in zwei bis drei Spalten mit gleichmäßigen Abständen. Freie Flächen sind kein verschenkter Platz: Sie lenken den Blick und machen das Poster ruhiger. Als Faustregel gilt: Text sollte höchstens die Hälfte der Fläche einnehmen. Auf einem A0-Poster sind 500 bis 800 Wörter meist schon die Obergrenze.
Vorlage: Wissenschaftliches Poster in A0 zum Herunterladen
Damit Sie nicht bei null anfangen müssen, haben wir eine Vorlage für PowerPoint erstellt. Sie funktioniert auch in Keynote, LibreOffice Impress und Google Slides.

Ersetzen Sie die Hinweistexte durch Ihre Inhalte und löschen Sie Bereiche, die Sie nicht brauchen. Die Farben passen Sie in PowerPoint unter „Entwurf“ → „Varianten“ → „Farben“ an Ihr Corporate Design an.
Wissenschaftliches Poster erstellen: Schritt für Schritt
- Kernaussage formulieren. Schreiben Sie in einem Satz auf, was Besucher:innen mitnehmen sollen. Alles auf dem Poster dient dieser Aussage.
- Vorgaben prüfen. Format, Ausrichtung, Abgabefristen, Druckvorgaben, Pflicht-Logos: Diese Informationen finden Sie im Call for Papers oder in den Hinweisen für Vortragende.
- Skizze anfertigen. Zeichnen Sie das Layout auf Papier oder Haftnotizen, bevor Sie die Software öffnen. So prüfen Sie Leserichtung und Gewichtung.
- Abbildungen zuerst. Erstellen oder überarbeiten Sie die wichtigste Grafik, bevor Sie Text schreiben. Sie bestimmt den Aufbau.
- Texte schreiben und kürzen. Formulieren Sie kurze Sätze und Stichpunkte. Kürzen Sie anschließend noch einmal um ein Drittel.
- Probedruck auf A4. Prüfen Sie Lesbarkeit, Kontraste und Tippfehler. Lassen Sie eine fachfremde Person drüberschauen: Versteht sie die Kernaussage in 30 Sekunden?
- Druckdatei erstellen. Exportieren Sie als PDF in Endgröße mit eingebetteten Schriften, bei Druckereien möglichst als PDF/X. Planen Sie für den Druck mehrere Werktage Vorlauf ein.
Mit welchem Programm erstellt man ein wissenschaftliches Poster?
Für die allermeisten Poster reicht PowerPoint völlig aus. Wichtiger als das Programm sind eine klare Struktur und gute Abbildungen.
Was gute Beispiele gemeinsam haben
Gelungene wissenschaftliche Poster sehen sehr unterschiedlich aus, folgen aber denselben Prinzipien:
- Die Botschaft steht im Titel. Wer nur den Titel liest, weiß bereits, was herausgekommen ist.
- Eine Abbildung dominiert. Der Blick fällt sofort auf das zentrale Ergebnis.
- Die Leserichtung ist eindeutig. Nummerierte Abschnitte oder klare Spalten führen durch das Poster.
- Es gibt Weißraum. Das Poster wirkt aufgeräumt statt vollgestopft.
- Details sind ausgelagert. Ein QR-Code führt zu Paper, Daten oder Zusatzmaterial.
Einen viel diskutierten Gegenentwurf zum klassischen Aufbau hat der Psychologe Mike Morrison 2019 unter dem Schlagwort #betterposter vorgestellt: Die Kernaussage steht in großer, einfacher Sprache in der Mitte des Posters, die Details wandern an den Rand. Ob dieses Format zu Ihrer Fachkultur passt, hängt von der Konferenz ab – das Prinzip „Kernaussage zuerst“ lohnt sich aber in jedem Fall.
Häufige Fehler bei wissenschaftlichen Postern
- Zu viel Text: Das Poster als ausgedrucktes Paper. Niemand liest im Stehen 2.000 Wörter.
- Zu kleine Schrift: Fließtext unter 24 pt, winzige Achsenbeschriftungen in Diagrammen.
- Unklare Botschaft: Ein Thema statt einer Aussage im Titel, keine erkennbare Kernaussage.
- Unruhige Gestaltung: Bunte Hintergründe, zu viele Farben und Schriften, Bilder hinter dem Text.
- Unscharfe Abbildungen: Screenshots oder zu klein exportierte Grafiken, die im Großformat verpixeln.
- Falsches Format: Quer statt hochkant oder A1 statt A0 – und das Poster passt nicht an die Stellwand.
- Keine Kontaktdaten: Interessierte kommen nach der Session nicht mehr an Sie heran.
Druck und Präsentation in der Postersession
- Viele Hochschulen bieten Posterdruck zu günstigen Konditionen an. Alternativ drucken Copyshops und Online-Druckereien.
- Papier ist günstig, aber empfindlich und braucht eine Posterrolle für den Transport. Stoffposter lassen sich falten und im Koffer mitnehmen.
- Planen Sie für den Druck mehrere Werktage ein, bei Online-Druckereien inklusive Versand.
Präsentieren
- Bereiten Sie eine kurze Einführung von 30 Sekunden bis zwei Minuten vor, die Sie in jedem Gespräch anbieten können.
- Stehen Sie neben – nicht vor – Ihrem Poster und sprechen Sie Besucher:innen aktiv an.
- Bringen Sie A4-Ausdrucke oder Visitenkarten mit QR-Code mit.
- Fragen Sie die Veranstalter nach Befestigungsmaterial. Viele stellen Pins oder Klebepunkte bereit, manche nicht.
E-Poster
Immer mehr Konferenzen setzen auf E-Poster, die auf Bildschirmen oder in einer Konferenz-App gezeigt werden. Hier gelten andere Regeln: Querformat statt Hochformat, weniger Text, größere Schrift. Zum Teil sind auch Animationen oder Videos möglich. Prüfen Sie die Vorgaben zu Format, Dateityp und Auflösung genau.
Für Veranstalter: So bekommen Sie bessere Poster
Die Qualität einer Postersession hängt stark davon ab, wie klar die Vorgaben sind. Veranstalter können viel tun:
- Format, Ausrichtung und Abgabefristen schon im Call for Papers nennen.
- Eine Vorlage bereitstellen – oder auf diesen Leitfaden verlinken.
- Die Postersession prominent ins Programm setzen statt in die Kaffeepause zu verbannen. Wie das gelingt, lesen Sie in unseren Beiträgen Alles, was Sie über Postersessions wissen müssen und 7 Tipps für erfolgreiche Postersessions.
- Posterpreise ausloben und Posterbegehungen mit Moderation organisieren.






